Der Schulranzen fliegt in die Ecke und wird sechs Wochen lang nicht mehr angeschaut. Genauso soll es sein! Abgesehen von einer Sache: Lesen üben sollte dein Kind weiterhin. Denn, wer nach der ersten Klasse wochenlang gar nicht liest, verliert an Sicherheit und startet holprig ins neue Schuljahr.
Dieses „Sommer-Lesetief“ ist gut belegt: Eine Auswertung von 13 Studien mit rund 40.000 Kindern zeigt, dass die Lesekompetenz über die Ferien nachlässt, besonders bei Kindern, die zu Hause wenig lesen (Cooper et al., 1996).
Daher dürft ihr in den Ferien lesen: gemeinsam, mit Spaß und zeitlich passend in den Alltag integriert. Hier kommen Tipps für spielerisches Lesen üben in den Sommerferien.
Lesen in den Sommerferien soll sich nach Ferien anfühlen und nicht nach Schule.
Inhalt:
Das Wichtigste in Kürze
- Kurz, aber regelmäßig lesen: Schon 5 bis 15 Minuten gemeinsames Lesen pro Ferientag halten die Lesefähigkeit deines Kindes stabil.
- Gemeinsam statt allein: Tandemlesen (gleichzeitiges lautes Lesen) fällt Leseanfänger:innen leichter und fördert nachweislich Leseflüssigkeit, Durchhaltevermögen und Motivation.
- Passenden Lesestoff wählen: Das Buch muss zum Leseniveau deines Kindes passen – zu lange und zu schwere Texte demotivieren.
- Rituale & Leseorte schaffen Vorfreude: Feste Lesezeiten und besondere Plätze (Hängematte, Lesezelt, Badesee) lassen Lesen nach Ferien statt nach Hausaufgabe wirken.
- Lange Wörter knacken: Treppenwörter bauen schwierige Wörter Laut für Laut auf. Das nimmt langen Wörtern den Schrecken.
An jedem Ferientag kurz gemeinsam lesen
Lest täglich 5 bis 15 Minuten zusammen. Wenn du mit deinem Kind gemeinsam liest, fühlt sich Lesen als Gemeinschaftsaktivität an. Wenn du es zum Lesen „verdonnerst“ alla „Lies jetzt mal endlich ein bisschen“, wird das Lesen zur Pflichtübung unter Druck.
Gemeinsames, gleichzeitiges lautes Lesen (Tandemlesen) fällt Leseanfänger:innen zudem oft leichter und strengt nicht so an. Das Beste: Tandemlesen fördert nachweislich nicht nur die Leseflüssigkeit, sondern auch Durchhaltevermögen und Motivation (siehe: Initiative BiSS-Transfer) Dranbleiben und Konstanz sind das Wichtigste beim Lesenlernen.
Zwei einfache Ideen, wie du Lesen in den Ferienalltag integrierst
1. Führt feste Zeiten ein, die zum Urlaubsfeeling passen:
- Wecke dein Kind auf und kuschle dich dazu. Dann lest ihr gemeinsam im noch warmen Bett vorm Aufstehen. Während der Schule hat man für so einen gemütlichen Start in den Tag keine Zeit. In den Ferien schon!
- Zum Mittagstief am Meer, Badesee, Bergwiese, Stadtpark, Garten oder Balkon.
- Vor dem Schlafengehen als Abschluss des Tages.
2. Ein dünnes Buch passt in jeden Koffer: Dünne Hardcover-Bücher sind robuster und verbiegen nicht beim Transport.
3. Oder du liest unterwegs aus einem e-Reader vor. Da kann man zwar keine Seiten umblättern und das schöne haptische Erlebnis beim Fühlen des Papiers haben, doch mit einem e-Reader hast du eine ganze Bibliothek dabei.
4. Wähle ein Buch, das ihr mehrfach lesen könnt oder dein Kind mehrfach lesen möchte, und mit dem dein Kind seine Lesefähigkeiten steigern kann.
Mit den Lesewald-Büchern kann dein Lesestarter-Kind seine Lesefähigkeiten nach und nach ausbauen. Zunächst liest es kurze Treppenwörter, die immer länger werden. Dann liest es die gleichen Wörter in der regulären Schreibweise und zum Schluss kann es sich am Fließtext der Geschichte versuchen. Ein Buch, drei Lese-Varianten.
Sucht euch gemütliche Sommer-Leseplätze
Wenn ihr das Lesen als festen Ferienprogrammpunkt etablieren wollt, sucht euch besondere Leseorte. Wie wäre es mit…
- lesen in der Hängematte oder Strandmuschel,
- unter einem Baum auf der Picknickdecke,
- auf der Astgabel eines Baumes,
- im Planschbecken oder
- im selbstgebauten Lesezelt auf dem Balkon,
- in einer Lesehöhle aus Decken und Kissen im Kinderzimmer, Wohnzimmer oder Küche,
- nachts mit Taschenlampe auf Balkon oder im Garten unterm Sternenhimmel. Ihr könnt auch eine Lichterkette aufhängen und im Anschluss übernachtet ihr unter freiem Himmel. Wie cool ist das denn?
So fühlt sich Lesen nach Ferien an, nicht nach Hausaufgabe.
Startet eine Leseorte-Challenge und lest jeden Tag an einem anderen coolen Ort. Ihr schießt überall ein Selfie und macht daraus ein Sommerferien-Leseorte-Fotoalbum. Welcher Ort hat euch am besten gefallen? War es am Strand am schönsten oder vielleicht doch zu Hause auf dem Balkon?
Führe ein sommerliches Lese-Ritual ein
Rituale geben Kindern Sicherheit und schaffen Vorfreude. Verbinde die Lesezeit deshalb mit etwas, worauf sich dein Kind neben dem geneinsamen Lesen noch freuen kann.
Beispiele:
- Zum Start des Lesens darf dein Kind dir und sich selbst mit einer Sprühflasche ein bisschen Wasser ins Gesicht spritzen. Eine tolle Erfrischung an heißen Tagen.
- Zum Lesen gibt es immer frisches Obst oder ein Wassereis (vielleicht selbstgemacht aus Fruchtsaft) oder
- ein kühles Getränk mit Strohhalm & Deko und
- das Lieblingskuscheltier als „Zuhörer“.
- Als Abschluss macht ihr ein High-Five oder einen Siegertanz.
Rituale und Spaß sind wichtig. Die Erziehungs- und Elternberaterin und ehemalige Grundschullehrerin Dr. Martina Stotz sagt im Interview „Lesen üben ohne Streit“: „Es geht immer um eine positive Grundstimmung beim Lesen. Wichtig ist, dass die Kinder beim Lesen lachen.“
Lange & schwierige Wörter einfach knacken
Gerade nach der ersten Klasse haben viele Kinder noch Respekt vor langen Wörtern und Buchstabenkombinationen wie „au“, „ch“, „sp“ oder „sch“.
Hierbei helfen laut der erfahrenen Lerntherapeutin Norma Cleve Treppenwörter. „Mit Treppenwörtern sehen Kinder den Aufbau eines Wortes Schritt für Schritt. Das ist sehr hilfreich“, sagt sie. Bei dieser Methode wird das Wort Buchstabe für Buchstabe bzw. Laut für Laut aufgebaut, erst ein Laut, dann zwei, dann drei. Dein Kind sieht, wie das Wort entsteht, statt vom ganzen Wort erschlagen zu werden.
In »Lesewald, Der Zauber des Wassers« üben Kinder mit Treppenwörtern gezielt lange Wörter und Buchstabenkombinationen wie „au“, „ch“ „sp“ und „sch“. Gestartet wird jedoch einfach mit kurzen Wörtern.
Lesestoff, der zum Thema Sommer oder eurer Urlaubsdestination passt
Sucht Bücher im Laden oder in der Bücherei, die zum Thema Sommer, See, Meer, Baden oder zum Ort passen, an dem ihr Urlaub macht. Damit verknüpft ihr eure Realität mit der Fiktion der Geschichte. Die Gemeinsamkeit fördert die Lesemotivation.
Bücher, die im Wald spielen, passen perfekt für einen Urlaub in den Bergen mit Waldspaziergängen und Bücher voller Wasserspaß und Magie sind perfekt als Lektüre für jeden Badesee.
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FAQ: Häufige Fragen
Soll ich mit meinem Kind in den Sommerferien lesen üben?
Ja, du solltest mit deinem Kind auch in den Sommerferien lesen üben. Eine Auswertung von 13 Studien mit rund 40.000 Kindern zeigt, dass die Lesekompetenz über die Ferien nachlässt, besonders bei Kindern, die zu Hause wenig lesen (Cooper et al., 1996). Vor allem für Kinder, die die 1. Klasse abgeschlossen haben oder noch unsicher beim Lesen sind, ist Lesen in den Sommerferien wichtig. Wer nach der ersten Klasse wochenlang gar nicht liest, verliert an Lesesicherheit und startet holpriger ins neue Schuljahr. Schon 5 bis 15 Minuten gemeinsames Lesen pro Tag reichen aus, um die Leseflüssigkeit zu erhalten. Wichtig ist, dass sich das Lesen nach Ferien anfühlt und nicht nach Hausaufgabe.
Wie viel sollte mein Kind in den Ferien lesen?
Regelmäßig zu lesen – wenn auch nur kurz – ist besser als seltene lange Lese-Einheiten zu absolvieren. Wenn ihr an jedem Ferientag 5 bis 15 Minuten gemeinsames Lesen schafft, ist das super. Achte darauf, dass der Text zum Leseniveau deines Kindes passt, denn zu schwere oder zu lange Texte demotivieren.
Wie kann ich mein Kind in den Ferien zum Lesen motivieren?
Am besten, indem ihr gemeinsam lest und daraus ein Gemeinschaftserlebnis mit schönen Ritualen macht, an besonderen Leseorten lest und Spaß habt. Übe keinen Druck auf dein Kind aus alla „Jetzt lies doch endlich mal!“ Bewährt haben sich: gemeinsames lautes Lesen (Tandemlesen), gemütliche Sommer-Leseplätze wie Hängematte, Picknickdecke oder Lesezelt, sowie kleine Belohnungsrituale wie Wassereis, ein kühles Getränk oder ein High-Five nach dem Lesen. Eine positive Grundstimmung ist wichtiger als Perfektion. Kinder sollten beim Lesen lachen dürfen.
Was hilft meinem Kind bei langen und schwierigen Wörtern?
Bei langen Wörtern und schwierigen Buchstabenkombinationen wie „au“, „ch“, „sp“ oder „sch“ helfen sogenannte Treppenwörter. Dabei wird das Wort Laut für Laut aufgebaut – erst ein Laut, dann zwei, dann drei. So sieht das Kind, wie ein Wort Schritt für Schritt entsteht, statt vom ganzen Wort erschlagen zu werden. Diese Methode nimmt Leseanfänger:innen den Respekt vor komplizierten Wörtern. Die Buchreihe „Lesewald“ verbindet Treppenwörter mit magischen Vorlesegeschichten. So kommen Kinder in den Genuss einer Geschichte und müssen nicht trocken mit Arbeitsblättern üben.
Welche Bücher eignen sich zum Lesen üben in den Sommerferien?
Gut geeignet sind dünne, robuste Hardcover-Bücher (passen in jeden Koffer) oder ein e-Reader für unterwegs. Wähle Bücher, deren Thema zu Sommer, See, Meer oder eurem Urlaubsort passt. Die Verbindung von Realität und Geschichte steigert die Lesemotivation. Bücher mit gestuften Schwierigkeitsgraden, etwa die Lesewald-Reihe mit Treppenwörtern, lassen dein Kind seine Lesefähigkeiten nach und nach ausbauen. Das ist besonderes für Kinder der 1. und 2. Klasse hilfreich oder für Kinder, die noch schlecht lesen.
Lesewald, Der Zauber erwacht (Buch zum Lesen lernen für Erstleser),
Hardcover, 16,00€
Der Sumpfmumpf und die Hoffnung, Hardcover, 18,95€
Nachhaltigkeit spannend erzählt: Buch-Bundle, Hardcover, 30,95€
Bildnachweise:
- Fotos/ Grafiken: Alexandra Wagner
- Teaser-Collage: Motiv Mutter/Tochter Canva
Quellenverzeichnis:
- Cooper, H., Nye, B., Charlton, K., Lindsay, J. & Greathouse, S. (1996). The Effects of Summer Vacation on Achievement Test Scores: A Narrative and Meta-Analytic Review. Review of Educational Research, 66(3), 227–268. Zusammenfassung verfügbar unter: https://www.readingrockets.org/topics/summer-reading/articles/summer-reading-loss; zuletzt abgerufen am 17.07.2026
- BiSS-Transfer – Bund-Länder-Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (o. J.). Lautlesetandem. Verfügbar unter: https://www.biss-sprachbildung.de/btools/lautlesetandem/; zuletzt abgerufen am 17.07.2026
- Lesen üben ohne Streit: Interview mit Elternberaterin Dr. Martina Stotz
- Wie Kinder Lesen lernen und Hürden überwinden: Interview mit Lerntherapeutin Norma Cleve.
